Schulinternes Fachcurriculum

Einführungsphase

In der Einführungsphase werden die Grundlagen für das Verstehen von Theater, theatrales Gestalten, die Reflexion ästhetischer Prozesse und die Teilhabe an Theater gelegt. Für die Schülerinnen und Schüler ist Darstellendes Spiel ein neues künstlerisches Fach. Daher muss zunächst eine kommunikative und produktive Situation hergestellt werden, in der die Schülerinnen und Schüler Raum für gegenseitiges Vertrauen und gegenseitige Akzeptanz finden, welche die Grundlage für theatrales und ästhetisches Handeln und Wahrnehmen bilden. Darstellendes Spiel in der Einführungsphase ist überwiegend handlungsorientiert, im ersten Halbjahr weitgehend basierend auf der Erprobung theatraler Prozesse und deren Gestaltung, im zweiten Halbjahr verstärkt im Hinblick auf eine Projektpräsentation.

In beiden Halbjahren wird eine spielpraktische Aufgabe in Form einer Klausur durchgeführt, die ein Drittel der Halbjahresnote ausmacht. Themenbereiche ergeben sich im ersten Halbjahr aus der Arbeit mit den theatralen Mitteln, z. B. Umgang mit Requisiten und Materialien, Aufgaben zum Bereich Körper und Bewegung, Aufgaben zur Raumdisposition. Im zweiten Halbjahr stehen die Aufgaben in Verbindung mit einer Projektgestaltung, z. B. aus dem Bereich der Figurenfindung und/oder der Szenengestaltung.

 

10.1

Aufbau eines Ensembles und Erarbeitung eines Gestaltungsrepertoires

Grundübungen und Spiele

• zum Kennenlernen

• zum Vertrauensaufbau

• zu Körper und Bewegung

• zur Raumerfahrung

• Stimme/Sprechen/Text

Erarbeitung im theatralen Spiel

• Improvisation

• Gestik, Mimik, Haltung und Bewegung

• Bewegungsstilisierung

• Choreografie

• Kostüm/Requisit/Maske

• Musik, Geräusch, Ton

• Stimme/Sprechen/Text

• Bühnenraum/Bühnenbild/Bühnenlicht

• Improvisation (gelenkt oder frei), Improvisationsregeln

• gemeinsame Gestaltung von Spielaufträgen

• gemeinsame Entwicklung von Spielideen

• gegenseitige Beobachtung und sachliche Kommentierung

Ansätze ästhetischer Kriterien im Spiel und in der Reflexion

• Erprobung unterschiedlicher spielerischer Ansätze und deren Auswertung

• Wechsel zwischen theatralen und nichttheatralen Spielformen

• Heranführen an verfremdende, stilisierende, absurde u.a. Spielformen

 

10.2

Entwicklung einer komplexen Spielhandlung, evtl. mit Präsentation

Komposition und Konzeptionsentwicklung

• Entwicklung einer Spielidee (inhaltlich und formal)

• Erprobung eines oder mehrerer Spielstile

• Wahl des Spielortes und/oder der Bühnenform

• Ansatz zur Figurenfindung

• Szenengestaltung, Rhythmisierung der Handlungsfolge und Choreografie

• Auswahl und Einsatz von Material, Requisiten, Musik

• Entwicklung von Kostüm und Maske

• Planung, Organisation und Durchführung einer Aufführung/Projektvorführung

• Reflexion der Projektpräsentation, der Publikumsreaktion und des Spielprozesses

Qualifikationsphase

Die Schülerinnen und Schüler erwerben und vertiefen fachbezogene Kompetenzen in den vier Kompetenzbereichen:

§ Sachkompetenz (Theater verstehen),

§ Gestaltungskompetenz (Theater gestalten),

§ kommunikative Kompetenz (Theater reflektieren) und

§ soziokulturelle Kompetenz (an Theater teilhaben).

Im Unterricht geht es primär um Aufgaben, die von den Schülerinnen und Schülern szenisch zu gestalten sind. Schriftliche Aufgaben treten unterstützend hinzu.

Insbesondere bei der Wahl des Faches Darstellendes Spiel als schriftliches Prüfungsfach erproben die Schülerinnen und Schüler Möglichkeiten kreativer Schreibaufgaben (Rollenbiografie, Subtext, Regiekonzept, Szene usw.; bei Beschäftigung mit Film/Video auch Exposé, Treatment, Storyboard, Drehbuch) und setzen sich sowohl mit dem theatralen Potenzial verschiedener schriftlich oder bildlich fixierter Spielvorlagen als auch mit Produktionszeugnissen (wie Dramen, Videoaufzeichnungen, Produktionsskizzen, Regiebüchern, Libretti, Partituren, Bühnenmodellen u. Ä.) und Rezeptionszeugnissen (wie Kritiken, Videoaufzeichnungen, Bilder u. Ä.) schriftlich auseinander. Dabei ist stets der jeweilige konkrete Unterrichtsbezug zu berücksichtigen.

Die Einbeziehung exemplarischer Kenntnisse einiger für das Theater der Gegenwart relevanter Aspekte zu Theaterkultur, -theorie und -geschichte ist besonders dann sinnvoll, wenn sie erkennbar etwas für die Gestaltung und das Verständnis des eigenen theatralen Handelns beitragen können.

Schulhalbjahr 11.1: Entwicklung und Realisierung eines einfachen Theaterprojekts

Mögliche Inhalte:

§ Bewegungstheater, Bildertheater, Literaturtheater (Sprechtheater), Musiktheater, Objekttheater (Masken-, Puppentheater), Performancetheater, Tanztheater, Videotheater, Mischformen

§ Körper und Bewegung, Stimme/Sprechen/Text, Figur/Rolle/Improvisation

§ Tempo/Rhythmus, Ton/Klang/Geräusche

 

Schulhalbjahr 11.2: Erarbeitung eines komplexeren Theaterprojekts und Vertiefung theoretischer Grundlagen

 Mögliche Inhalte:

§ Bewegungstheater, Bildertheater, Literaturtheater (Sprechtheater), Musiktheater, Objekttheater (Masken-, Puppentheater), Performancetheater, Tanztheater, Videotheater, Mischformen

§ Konzeption, Komposition

§ Körper und Bewegung, Stimme/Sprechen/Text, Figur/Rolle/Improvisation

§ Bühnenraum/Bühnenbild/Bühnenlicht, Kostüm/Requisit/Maske, Medien

§ Tempo/Rhythmus, Ton/Klang/Geräusche

 

Schulhalbjahr 12.1: Präsentation und Analyse eines komplexeren Theaterprojekts

Mögliche Inhalte:

§ Konzeption, Komposition

§ Bühnenraum/Bühnenbild/Bühnenlicht, Kostüm/Requisit/Maske, Medien

§ Zuschauen/Reflexion

 

Schulhalbjahr 12.2: Arbeit an Kleinstszenen

 Mögliche Inhalte:

§ Konzeption, Komposition

§ Körper und Bewegung, Stimme/Sprechen/Text, Figur/Rolle/Improvisation

§ Bühnenraum/Bühnenbild/Bühnenlicht, Kostüm/Requisit/Maske, Medien

§ Tempo/Rhythmus, Ton/Klang/Geräusche

Leistungsbewertung

Die praktische Unterrichtsarbeit im Darstellenden Spiel ist in besonderer Weise auf die ungebrochene Präsenz aller beteiligten Schülerinnen und Schüler angewiesen. Diese Präsenz lässt sich in drei bewertbare Kompetenzbereiche aufgliedern:

§ die fachlichen Kompetenzen (ästhetisch, theoretisch, methodisch)

§ die sozialen Kompetenzen als Ensemblemitglied

§ die personalen Kompetenzen als einzelne Spielerin und einzelner Spieler, Dramaturg, Regisseur, Bühnenbildner, Musiker usw.

Gegenstand der Leistungsbewertung sind:

§ Mitarbeit im Unterricht: Zur Mitarbeit zählen spielpraktische, mündliche und schriftliche Beiträge.

§ Spielpraktische Aufgaben mit Präsentation: Spielpraktische Aufgaben mit Präsentation sollen die Möglichkeit geben, erlernte szenische Erfahrungen in einem neuen komplexen Zusammenhang anzuwenden.

§ Schriftliche Leistungskontrollen: Schriftliche Leistungskontrollen sind punktuelle Überprüfungen von Gelerntem. Anzahl und Dauer werden durch die Verordnung über die gymnasiale Oberstufe geregelt.

In der Gesamtbewertung der Leistungen des Halbjahres hat die Bewertung der laufenden Kursarbeit ein größeres Gewicht als punktuelle Prüfungssituationen.

Schriftliche Leistungskontrollen

Die Art und Zahl der Klausuren orientiert sich an den geltenden Vorschriften der Verordnung über die gymnasiale Oberstufe und den Vereinbarungen der Fächer Kunst und Musik an der Schule (in der Regel eine Klausur pro Halbjahr und in dem Halbjahr, in dem zwei Klausuren vorgesehen sind, wird eine Klausur durch eine fachpraktische Arbeit ersetzt).

Die Aufgabenarten der Klausuren orientieren sich an der jeweiligen Konzeption des Unterrichts. Sie können spielpraktische Aufgaben mit praktischem oder theoretischem Schwerpunkt, theoretisch-analytische oder produktionsbegleitende Aufgaben beinhalten. Die Anforderungen in den Klausuren sollen nicht rein kognitiv-analytischer Art sein, sondern auch den kreativ-praktischen Bereich berücksichtigen und einbeziehen. Die Dauer der Klausuren orientiert sich an den geltenden Vorschriften der Oberstufenordnung. In der Einführungsphase sollten Klausuren mit theoretischem Schwerpunkt nicht länger als zwei Stunden, in der Qualifikationsphase zwei bis drei Stunden dauern. Bei Aufgaben mit einem praktischen Schwerpunkt ist die Dauer der Arbeit der jeweiligen Aufgabenstellung anzupassen.

Den Klausuren soll eine mehrteilige Arbeitsanweisung mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad zugrunde liegen, so dass aus der Aufgabenstellung die Art der geforderten Leistung eindeutig hervorgeht. Die Aufgabenstellung sollte eine thematische Einheit bilden, auf eine in sich geschlossene Darstellung zielen und nicht mehr als vier Arbeitsimpulse umfassen.

Aufgabenarten

Im Fach Darstellendes Spiel lassen sich die schriftlichen Arbeiten den folgenden vier Aufgabenarten zuordnen, wobei die Unterrichtspraxis zeigt, dass sich die einzelnen Aufgabenarten auch überschneiden können.

Spielpraktische Aufgabe mit praktischem Schwerpunkt

Die Schülerinnen und Schüler sollen bei dieser Aufgabe nicht nur nachweisen, dass sie ein szenisches Konzept entwickeln können, sondern sie sollen auch zeigen, dass sie in der Lage sind, in angemessener Zeit zu einer Präsentation zu gelangen und diese zu reflektieren. Im Gegensatz zur Aufgabe mit theoretischem Schwerpunkt liegt das Hauptgewicht hierbei in der konkreten szenischen Ausgestaltung und Umsetzung.

Spielpraktische Aufgabe mit theoretischem Schwerpunkt

Bei diesem Aufgabentyp sollen die Schülerinnen und Schüler nachweisen, dass sie in der Lage sind, zu einem vorgegebenen Thema ein szenisches Konzept zu entwickeln und es in angemessener Form sprachlich darzustellen, zu begründen und kritisch zu reflektieren. Das szenische Konzept kann nicht nur Plot, szenische Anlage und/oder Dialoge, sondern darüber hinaus Überlegungen zur szenischen Ausgestaltung im Raum anstellen und Hinweise zu Licht- und Toneinsatz enthalten.

Projekt-/produktionsbegleitende Aufgabe

Dieser Aufgabentyp beinhaltet die umfassendste Aufgabenstellung, da in ihr alle Elemente der anderen drei Aufgabenarten enthalten sein können bzw. jeder Aufgabentyp für sich vertreten sein kann. Je nach Stand der Produktion kann eine auf die Inszenierung bezogene spielpraktische Aufgabe mit theoretischem bzw. praktischem Schwerpunkt gestellt werden (z. B. Gestaltung des Bühnen-, Licht- und Toneinsatz, Entwurf eines dramaturgischen Konzepts), die dann u. U. in die Inszenierung eingeht, oder aber es werden gestalterische Aufgaben gestellt, die das Umfeld der Produktion betreffen. Denkbar sind u. a. Entwürfe für Plakate, Eintrittskarten, Programme oder Zeitungsankündigungen.

Theoretisch-analytische Aufgabe

Gegenstand der Untersuchung in diesem Aufgabenbereich sind vorgelegte Materialien (z. B. Texte, Bilder, Inszenierungen). Neben der Analyse und Interpretation können auch gestalterische Aufgaben formuliert werden, wie z. B. das Schreiben einer Theaterkritik, Textumformungen, Aktualisierungen oder Rollenbiografien, die neben der reinen Darstellung auch einen erläuternden und/oder begründenden Anteil aufweisen. Die Schülerinnen und Schüler sollen bei der theoretisch-analytischen Aufgabe die Materialien selbstständig bearbeiten oder gestalten und dabei fachspezifische Verfahren auswählen und anwenden. Die inhaltlichen und formalen Elemente sollen sowohl in der Analyse als auch in der Gestaltung nicht isoliert, sondern in ihrer Bedeutung für die Aussage und Wirkung des Textes untersucht bzw. angewendet werden.

Verwendete Literatur

§ Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA) im Fach Darstellendes Spiel. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 16.11.2006. – http://db2.nibis.de/1db/cuvo/datei/epa_10_dspiel.pdf

§ Niedersächsisches Landesinstitut für Schulentwicklung und Bildung (NLI): Zur Praxis des Darstellenden Spiels I. Thema: Leistungsbewertung. nli-Beiträge 73. Hildesheim 2003. – http://www.bvds.org/nli73.pdf

§ Rahmenplan für die gymnasiale Oberstufe. Darstellendes Spiel. Hrsg. v. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin. Berlin 2006. – http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/unterricht/lehrplaene/sek2_darstellendes_spiel.pdf

§ Lehrplan Darstellendes Spiel. Grundfach. Einführungsphase und Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe (Mainzer Studienstufe). Hrsg. v. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz. Mainz 2008. – http://gymnasium.bildung-rp.de/fileadmin/user_upload/gymnasium.bildung-rp.de/rechtsgrundlagen/LP_DS_2008.pdf

§ Rahmenplan Darstellendes Spiel. Gymnasiale Oberstufe. Hrsg. v. Freie und Hansestadt Hamburg. Behörde für Schule und Berufsbildung. Hamburg 2009. – http://www.hamburg.de/contentblob/1475196/data/darstellendesspiel-gyo.pdf

 

Gä/Sö, 30.09.2011

 

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